„In meinem Kopf ist es seit zwei Jahren“

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Susanne Braune erzählt von ihrer Theater-Erfahrung

Ein Interview von Johanna Steinlen

Der Raum ist dunkel, ein Licht geht an und eine Gestalt kommt auf die Bühne, ein Mitarbeiter des Gerichtes. Er schaltet den Lautsprecher ein, lauscht den Worten des Richters, schwitzt, schaltet den Deckenventilator an, schlendert durchs Zimmer. Er schiebt das Fenster zu und schließt den Lärm der Straße aus. Es wird ruhig. Die Verhandlung ist zu Ende gegangen. Der Wärter öffnet die Tür zum Gang und lässt zwölf Herren in das kleine Zimmer.

Dies ist die erste Szene aus dem Stück „Die zwölf Geschworenen“, das vor Kurzem im TAM Ost in Rosenheim gespielt wurde. Das Besondere daran ist die Regie, die von unserer Lehrerin Frau Susanne Braune übernommen wurde. In dem Interview stellt sie das Stück und ihre Leidenschaft zum Theater vor.

Frau Braune, wie würden Sie in eigenen Worten die Handlung des Stückes beschreiben?

Es geht darum, dass ein Neunzehnjähriger auf der Anklagebank steht, da er seinen Vater umgebracht haben soll. Der Prozess dauert sechs Tage. Nach diesen sechs Tagen ziehen sich die zwölf Geschworenen in ihr Geschworenenzimmer zurück und für die meisten ist der Sachverhalt klar, der Junge ist schuldig, nur einer zweifelt daran. Für ihn war die Beweisführung zu astrein. Er fängt an, die Zeugenaussagen, die Aussagen des Staatsanwalts und des Verteidigers zu hinterfragen. Am Anfang steht der Schuldspruch 11 zu 1. Im Laufe der Beratung kommen auch bei anderen Zweifel auf. Nur ein einziger bleibt bis zum Schluss unerbittlich. Aber warum er dann so vehement gegen den Freispruch plädiert, wird dann im Nachhinein sehr deutlich.

Wieso haben Sie sich als Regisseurin genau dieses Stück ausgesucht?

Ich kannte den Film schon und der hat mich sehr beeindruckt, damals, die amerikanische Fassung, mit Henry Fonda. Jetzt, im Laufe der Vorbereitung, habe ich auch die deutsche Version auf YouTube und in London das Theaterplakat gesehen. Dann ging nicht mehr aus meinem Kopf heraus, dass ich das auch unbedingt einmal inszenieren möchte. Ich habe hier in Weilheim nochmals eine Inszenierung gesehen und das hat mich dann noch erst recht bestärkt, das in Rosenheim zu machen. Dann habe ich vor zwei Jahren mit dem Vorstand vom Theater gesprochen. Sie waren sehr dafür und habe den Termin für Herbst 2016 bekommen.

Also haben die Vorbereitungen zwei Jahre gedauert?

Ja, in meinem Kopf ist es seit zwei Jahren. Dann, vor einem Jahr, habe ich angefangen, die Schauspieler zu fragen. Anschließend sind vom Theater die Rechte vom Verlag geklärt worden. Es kann ja sein, dass das Stück jemand in der Nähe spielen will und dann gibt es eine Bannmeile. Wir haben aber die Zusage von Verlag bekommen. Vor einem Jahr habe ich die Schauspieler zusammengetrommelt. Im Januar 2016 haben wir dann die erste Leseprobe gemacht – wir haben uns  an einen Tisch gesetzt und gelesen. Von der ursprünglichen Besetzung sind nicht alle dabei geblieben, das heißt, ich habe immer wieder neue Schauspieler suchen müssen. Und im April haben wir schon mit den Proben begonnen.

War das ihr erstes Stück oder gab es davor schon andere Projekte?

Ich habe vor ein paar Jahren einmal mit ein paar Frauen gearbeitet. Es war jetzt meine zweite Regiearbeit. Schauspielerin war ich schon öfter.

Gibt es schon eine Idee für das nächste Projekt oder sind Sie froh, wenn es ein bisschen ruhiger wird?

Froh bin ich nicht, wenn’s vorbei ist, weil ich jedes Mal, wenn ich das Stück anschaue, mitfiebere – ich sehe das Stück ja von der Technik aus. Ich möchte also keine Aufführung missen. Es war sehr, sehr anstrengend, weil wir keine Einzelproben machen konnten, wir haben immer alle zwölf gebraucht. Da wir beruflich alle beschäftigt sind, private Verpflichtungen oder Urlaube haben, war das oft nicht möglich. Unsere Regieassistentin – auch eine ehemalige Kollegin, Frau Mayer – hat die Rollen eingelesen. Wir haben aber gemerkt, dass das sehr anstrengend ist. Vor allen Dingen, weil wir die Szenen erst Ende September auf der Bühne proben konnten.

Werden wir Sie noch in der Schule sehen oder streben Sie eine professionelle Karriere an?

Nein. Ich glaube, dass es ganz gut ist, dass man das nur als Leidenschaft pflegt. Wenn es mein Beruf wäre, hätte ich wieder mit anderen Dingen zu kämpfen: habe ich ein Engagement, wo bekomme ich das Geld her? So ist es ganz gut, dass ich hier meinen sicheren Job hab, den ich auch sehr gerne mache. Aber das Theater als Leidenschaft wird bleiben.